ODER: Warum die anstrengenden Entscheidungen im Leben den viel besseren Endorphin-Rausch geben

Mein Abschied vor ca. einem Jahr vom – eigentlich super spannenden und interessanten – Großkonzern-Job ist für mich von vielen positiven Emotionen begleitet gewesen. Die Gründe meines Weggangs waren wenig spektakulär – ich wollte einfach mal was Neues ausprobieren, mein eigenes Business wagen, Neues lernen und mich selber aus der Komfortzone rausschieben, die ich mir in den zwei Jahren zuvor geschaffen hatte.

Nun stand ich da, mit vielen Ideen im Kopf, einer großen persönlichen Vision, ganz viel Energie im Körper und Menschen, wie meiner Happy Rebels-Mitgründerin Meike, die gleich den nötigen Macher-Spirit mitbrachte, einfach mal irgendwo anzufangen. Also beste Voraussetzungen – los gehts – die Welt hat nur auf uns gewartet! Strategie entwickeln, Business Plan aufsetzen, gleichzeitig erste Produkte bauen, Content produzieren, Vertriebskontakte knüpfen….

Monat um Monat verging, Happy Rebels wuchs und wuchs, immer im Fluß und immer nach vorne – aber verglichen mit dem was ich gewohnt war – IM SCHNECKENTEMPO! Alles – wirklich alles – dauerte 3x länger als vorher gedacht, und der Erfolg auf dem Reißbrett war nicht so einfach planbar – und dann war sie da plötzlich: die große weiße Wand vor der Nase, auf der stand:

Das geht alles nicht schnell genug!

Das ist alles (noch) nicht erfolgreich genug!

Du hattest doch viel größere Erwartungen, wo ist es denn jetzt, die große Plattform, die die Welt verändert!

BÄM!

In meinem Kopf hämmert es wie ein Junkie auf Entzug: ICH WILL WICHTIG SEIN! JETZT – SOFORT – BEDEUTUNG! BESTÄTIGUNG! LOB! BITTE!!!!!!

Wichtig sein, Anerkennung, Vorwärtskommen ist die Droge meines Business-Ichs in mir und ich habe mir über die letzten 15 Jahre meines Berufslebens schön strukturiert meine Beschaffungskanäle aufgebaut, die- angefüttert durch meine Arbeit – in regelmäßigen Abständen Nachschub ins System gepumpt haben. Und so habe ich mich selber natürlich auf der Karriere-Spirale schön Stück für Stück nach oben geschoben.

Aber – die Beschaffungskanäle waren nun zum Teil trockengelegt – funktionierten nicht mehr in meinem eigenen Entreprenur-Leben.
Ziele-Gespräche – Fehlanzeige. Große Budgets, über die ich entscheiden kann – gibt es erst mal nicht mehr. Jede Woche super wichtige Leute treffen – eher weniger. Und alte Schulkameraden morgens beim Frühstück in der Business-Lounge am Flughafen treffen – pfffft – Fliegen ist eh umweltschädlich. Trotzdem war´s doch irgendwie ein angenehmes Wohlfühl-Gefühl was geschafft zu haben, was wichtiges zu leisten. Und jetzt? Was tun mit diesem nagenden Gefühl der potenziellen Bedeutungslosigkeit?

Zurück zu den alten Dealern, neue Drogen ausprobieren, alles hinschmeißen? Fühlt sich alles nicht so richtig an. Denn eigentlich läuft es doch mega gut, wir bekommen so viel positives Feedback auf die Arbeit die wir tun. Und es fühl sich auch verdammt gut an. Also wo ist das Problem? 

Für mich gibt es an dieser Stelle erstmal eine eine riesige Erkenntnis: es lohnt sich so ungemein, sich den tiefen Triggern und Motiven in uns zu stellen, die uns zu mancher Entscheidung im Business-Leben (und natürlich auch im Privatleben) führen. Wir meinen immer, wir entscheiden die Dinge rational und analytisch und das Gehirn ist – gerade bei Menschen aus “harten”, sehr logik-orientierten Jobs kommen – Meister darin, Argumentationsketten zu finden, warum bestimmte Entscheidungen vermeintlich vollkommen analytisch-rational logisch sind. Aber das sind sie nicht. Und das sollen sie auch gar nicht sein, denn wir sind alle einfach nur Menschen – aber es ist so wertvoll zu verstehen, warum wir wirklich welche Job-Entscheidung fällen, warum wir bestimmte Dinge ablehnen oder annehmen und Bewertungen fällen – sei es über Projekte, Produkte, Mitarbeiter oder die eigenen Leistung.

Meine zweite Erkenntnis: Dieses Bewusstsein kann oft nur entstehen, wenn ich die risikoreichere, vermeintlich nicht ganz logische Option wähle! Und mit diesen Optionen im Leben – ob super-unsichere Unternehmensgründung oder risky Mitarbeiter-Entscheidung IST wahrscheinlich erst mal mit einem gewissen Leid und ANSTRENGUNG verbunden. In den seltensten Fällen sind solche Entscheidungen Selbstläufer – aber sie sind im positiven Falle Quelle für ganz tolle Upsides und im negativen Falle die Basis für Insights, für Erkenntnisse und Learnings, die wir sonst nie hätten haben können.

Sei mutig genug diese Anstrengung in Kauf zu nehmen! Mutig genug die vermeintliche (!) Unperfektion zu wagen!

Und was mache ich jetzt?

  1. Ich erkenne meine “Sucht” nach Wichtigkeit, Erfolg und Bestätigung an. Damit wird sie schon mal ein wenig weniger schlimm.
  2. Ich suche neue Beschaffungskanäle – vielleicht sogar wertvollere, also zuvor. 98% unsere Kunden, die wir bisher gewinnen konnten, sagen, sie würden unser Produkt uneingeschränkt sofort weiterempfehlen. Ist das nicht besserer Stoff, als das Lob nach der Vorstands-Präsentation?
  3. Ich frage meine Intuition und meinen rationalen Verstand – sind wir WIRKLICH zu langsam unterwegs? Sind 2-3 solide, gute Produkte zum jetzigen Zeitpunkt ECHT zu wenig? Oder sind wir nicht gerade genau im richtigen kreativen Flow, der genau in seinem Tempo die Dinge entstehen lässt – JA – genau so ist es. Wer hat den Maßstab gesetzt und warum glaube ich überhaupt daran? Alles ist genauso gut, wie es ist. 

Was ist deine Droge?