Bevor ihr gleich den Artikel unserer Expertin für berufstätige Eltern lest, hier ein paar Worte von uns an alle Eltern.
Wir wissen nicht wie es euch geht, aber wir haben gehörig die Nase voll von den hohen Ansprüchen an uns selbst. Egal, ob die Ansprüche von uns oder von anderen kommen – Wir sagen: STOP IT!
MILF, Karrierefrau, Hausfrau, Halbtagsfrau oder was auch immer.
Lasst uns einfach mal öfter „danke, du tolle Frau! Danke, du toller Mann, du bist wundervoll!“ sagen. Zu uns selbst und zu anderen.

Und wie wir dem Perfektionismus den Kampf ansagen können, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Geschrieben von unserem wundervollen Eltern Coach Christine Winnacker.
Viel Spass beim Lesen!!

3 Impulse, um dem eigenen Perfektionismus den Kampf anzusagen

Wohlerzogene glückliche Kinder, erfolgreich im Job, tolle selbstgebackene Kuchen, immer frisch gekochtes Essen, ein aufgeräumtes Zuhause und dabei total entspannt und immer ein Lächeln auf den Lippen – das Anforderungsprofil an berufstätige Mütter (und Väter) ist lang und es setzt uns gehörig unter Druck. 

Nicht nur sind die Anforderungen unrealistisch hoch – zudem werden berufstätige Mütter in unserer Gesellschaft auch permanent beäugt und bewertet. Mache ich eine lange Elternzeit, bin ich eine faule Hausfrau. Arbeite ich Vollzeit, bin ich eine Rabenmutter. Kein Wunder, dass Perfektionismus gerade unter berufstätigen Müttern so verbreitet ist.  Wir wollen uns an keiner Stelle eine Blöße geben, uns nicht angreifbar machen und gleichzeitig alle zufrieden stellen. Und der Weg dahin ist, dass wir alles quasi 150prozentig machen. Dann kann doch niemand mehr meckern!

Klingt total übertrieben? Vielleicht. Aber Hand aufs Herz, wie oft können wir uns selbst nicht bremsen, halsen uns aus zweifelhaften Motiven zu viel auf, fühlen uns dann überfordert, wütend und ungerecht behandelt und können am Ende nicht einmal genau sagen, warum eigentlich. Auf Autopilot im Hamsterrad, da enden wir schlimmstenfalls in einem Burnout, zumindest aber in Überforderung und Frust.  

Hier 3 Coaching-Impulse, die sich leicht alleine umsetzen lassen, um dem eigenen Perfektionismus nicht so ausgeliefert zu sein:

1. Wahrnehmen, was ist

Hast du öfter das Gefühl, du funktionierst den lieben langen Tag wie ein Duracell-Männchen?  Keine Pause, keine Erholung, unendlich viele Aufgaben – doch  schon die kleinste Störung deines Planes kann dich komplett aus der Fassung bringen? Der erste Schritt raus aus diesem frustrierenden Muster ist, einfach mal innezuhalten. Anzuschauen und wahrzunehmen, was gerade los ist. Das Stichwort Achtsamkeit ist ja derzeit in aller Munde und das Konzept funktioniert auch hier: mache einen Schritt Richtung Selbstwahrnehmung und Entschleunigung. 

Das klingt recht banal, braucht aber schon ein wenig Übung, denn es erfordert von uns, unbewusst ablaufende Verhaltensmuster ganz bewusst zu reflektieren. Dies funktioniert, indem wir uns im Alltag regelmäßig fragen: 

  • Wie geht es mir gerade? 
  • Wie fühle ich mich? 
  • Wie ist meine derzeitige Stimmung und woran liegt das? 
  • Was brauche ich jetzt , damit ich mich besser/entspannter/ wohler fühle?

Damit dies im hektischen Alltag nicht untergeht, kannst du dir übrigens einfach an verschiedenen Stellen in der Wohnung kleine Erinnerungen platzieren. Das kann eine besondere Postkarte am Kühlschrank sein oder einfach ein Post-it am Spiegel. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

2. Überzeugungen hinterfragen

Vielleicht hast du während deiner Reflektionsübung aus Schritt eins gerade wahrgenommen, dass du dich momentan unter Druck fühlst, weil du zwar nur noch eine Stunde Zeit hast, bis die Kinder aus der Kita abgeholt werden müssen, du aber in dieser kurzen Zeit unbedingt noch die gesamte Wohnung blitzblank putzen möchtest. Dieser Druck setzt dich unter Stress und du spürst, wie du frustriert und unzufrieden wirst, weil du schon ahnst, dass du deinen eigenen perfektionistischen Ansprüchen nicht gerecht werden kannst. 

Jetzt, wo du diese Situation und die darin auftretenden Gedanken erstmals ganz bewusst wahrgenommen hast, kannst du ebendiese Gedanken einmal genauer anschauen und hinterfragen. In unserem Beispiel denkst du also: „Es ist wichtig, dass ich unbedingt jetzt in dieser Stunde die ganze Wohnung putze!“ Und nun stellst du dir selbst folgende Fragen:

  • Warum glaube ich das?
  • Was befürchte ich, könnte geschehen, wenn ich diese Aufgabe nicht oder nicht perfekt erledige? 
  • Stimmt das? 
  • Wäre es auch möglich, diesen Gedanken nicht zu glauben? 
  • Was wäre dann? 
  • Welche anderen Gedanken könnte ich denken, mit denen es mir besser gehen würde?

Oft stellen wir an diesem Punkt fest, dass wir hier unter Ängsten leiden, die sich bei näherem Hinsehen als unbegründet und unrealistisch entpuppen. Diese belastenden Gedanken zu hinterfragen und übertriebene Befürchtungen zu entlarven, nimmt den Druck aus der Situation und wir fühlen uns besser.

3. Des-Identifizieren

Hinter diesem etwas sperrigen Begriff steckt ein ganz einfacher Trick, der uns hilft, uns nicht zu Hundertprozent mit unserem Perfektionismus zu identifizieren. 

In unserem Beispiel oben fühlst du dich unter Druck, weil du in zu kurzer Zeit etwas scheinbar Wichtiges erledigen willst. Wenn du dich jetzt voll und ganz mit diesem Druck identifizierst, dann klingt meine innere Stimme ungefähr so: „Ich muss unbedingt noch…“, „Es ist total wichtig, dass…“ Gedanken, die wir ja in Schritt 2 oben bereits näher kennengelernt haben.

Gelingt es dir jetzt zu des-identifizieren, dann verwendest du stattdessen folgende Formulierung: „Ein Teil von mir will dies jetzt unbedingt erledigen…“, „Etwas in mir findet es gerade sehr wichtig, dass…“

Was bringt das? Sobald du dich nicht mehr total mit der Aufgabe und vor allem mit dem Druck identifizierst, sondern diesen nur noch einem Teil oder einer inneren Stimme von dir zuordnest, wird die Situation verhandelbar. „Ja, da ist ein perfektionistischer Teil in mir, der findet eine sauber geputzte Wohnung enorm wichtig. Aber da ist vielleicht auch ein Teil in mir, der ist im Moment einfach nur erholungsbedürftig. Und dann gibt es vielleicht noch einen entspannten Teil, der mit ein wenig Unordnung ganz gut leben kann.“ 

Und nun hast du einen ganz wichtigen Schritt geschafft; du bist raus aus den automatisch und unbewusst ablaufenden Verhaltensmustern und kannst aktiv eine Entscheidung treffen: Gibst du dem erholungsbedürftigen Teil in dir Raum und legst die Füße hoch oder putzt du trotz allen Hinterfragens am Ende trotzdem? Egal, wie deine Entscheidung ausfällt, aufgrund der Tatsache, dass du sie bewusst gefällt hast, ist deine innere Gefühlslage nicht mehr frustriert und überfordert, sondern du fühlst dich kompetent und als aktiver Gestalter deines Lebens.


Christine ist einer unserer beiden Eltern Coaches für den Online-Kurs für berufstätige Eltern, der im März diesen Jahres startet.