Wir alle kommen irgendwann mal an diesen Punkt der Überforderung. Gerne auch mehrmals am Tag. Wenn mein Kalender gerade wieder voll ist und dann etwas zusätzlich hereinschneit mit der Bitte „Kannst Du hier mal kurz noch was lesen oder telefonieren?“, dann kann ich bis heute noch nicht automatisiert und völlig cool und gelassen sagen: „Nein.“ Doch es gelingt mir zunehmend besser.

Das Thema der klaren Abgrenzung ist vielschichtig. Ein „Nein“ bedeutete früher für viele von uns Ärger, Konflikt und/ oder Liebesentzug. Hinter dem „Nein“ kann sich also auch eine tieferliegende Angst verstecken.

Wie können wir uns nun besser abgrenzen?

Im Folgenden schildere ich 3 Schritte, wie wir mit den Erwartungen von außen anders umgehen lernen und wir ein entspanntes Alltagsmanagement mit gutem Gefühl ohne schlechtes Gewissen regeln können. Dabei geht die Reise vor allem nach innen.

So kannst du lernen „nein“ zu sagen.

  1. Werde dir klar, was dir wirklich wichtig ist!

Die Basis für ein bestimmtes „Nein“ nach außen ist ein bestimmtes „Ja“ zu dir und dem, was dir wirklich wirklich wichtig ist. Oft wissen wir besser, was wir nicht wollen. Zu selten machen wir uns das bewusst, was wir wollen.

Beispiele:
– eine gut funktionierende Partnerschaft
– gesunde und glückliche Kinder
– Erfolg im Job
– finanzielle Unabhängigkeit
– Freunde für alle Lebenslagen
– Persönliche Weiterentwicklung und Herausforderungen
– ein gesunder Körper
– etc.

Halte für dich fest was dir wichtig ist und erinnere dich auch immer wieder daran – vor allem, wenn du kurz davor bist „Ja“ zu sagen. „Ja“ zu Forderungen von außen, die dich in Stress bringen werden.

2. Erwarte nicht so viel von dir selbst!

Wenn Menschen von uns etwas erwarten, was uns gar nicht wichtig ist, können wir vielleicht noch relativ einfach „nein“ sagen. Z.B. mag ich kein Volleyball und sage dann auch bei einer Einladung zum Volleyballabend ohne Probleme ab.

Doch meist ist es so: Nicht die Erwartungen von da draußen stellen das Problem da. Das, was dir zu viel ist, sind deine eigenen Erwartungen an dich selbst.

Wenn uns Menschen um etwas bitten, was sich grundsätzlich auch mit unseren eigenen Idealen deckt, dann wird es schon schwieriger „nein“ zu sagen. Wenn uns der berufliche Erfolg wichtig ist, wir aber das Meeting zur Vorbereitung der nächsten Vorstandspräsentation absagen, kann ein innerer Konflikt entstehen. Das gleiche passiert, wenn uns die Bindung zum Kind wichtig ist, wir aber „nein“ zu einem gemeinsamen Nachmittag sagen (z.B. zugunsten einer Vorstandspräsentation). Das hat innerlich teilweise extrem frustrierende Auswirkungen. Die Gefahr ist groß zu sagen „Ich kann ja nur verlieren.“ Das stimmt jedoch nicht mit der richtigen Haltung im Hintergrund.

Tipp: Bleibe dir treu. Du kannst dir einfach eingestehen, dass du viel von dir selbst erwartest. Wichtig ist der Shift von der Fremdbestimmung in die Selbstbestimmung: Du kannst nicht die Erwartungen der anderen, wohl aber deine eigenen Erwartungen an dich selbst beeinflussen. Du kannst sie nach oben und nach unten regulieren. Das ist vor allem hilfreich, wenn du bei einem „nein“ vermeiden willst unter einem schlechtem Gewissen zu leiden.

3. Einfach mal machen!

Übung macht den Meister. Innere Konflikte werden immer wieder auftreten, wenn du mit Erwartungen konfrontiert wirst. Täglich musst Du neu entscheiden. Der Blick nach Innen lohnt sich jedoch. Mache dir täglich bewusst, was dir wirklich wirklich wichtig ist, welche Erwartungen von außen Du „von innen heraus“ vertreten kannst und welche Erwartungen nicht zu dir gehören. Du wirst merken, dass dir immer seltener „alles zu viel“ wird. Du kannst zu dir und Deinen Bedürfnissen stehen und sagst gerne und mit gutem Gefühl: „Nein!“ und dabei auch noch anderen einen Gefallen tun. Denn, wenn du gut für dich sorgst, haben auch alle andere was davon!