„Wir sind nur halb wach.“ (William James)

Irgendetwas Eigenartiges passiert da in unserem Geist. Obgleich wir faktisch einzig diesen gegenwärtigen Moment haben, scheint unser Geist es darauf anzulegen uns mit allen Mitteln der Kunst gedanklich entweder ins Morgen oder aber ins Gestern katapultieren zu wollen. 

Vor allem im hektischen Alltag schwindet unser Bewusstsein gerne mal in die Planung, als in die Wahrnehmung dessen, was uns gerade wirklich umgibt. 

Auch neigen wir dazu unsere vergangenen leidvollen Erfahrungen wieder und wieder zu durchleben – dabei ist unser Kopf übrigens nicht mal in der Lage zu unterscheiden zwischen Erinnerung und Vorstellung –  also durchleben wir den Schmerz emotional tatsächlich erneut.

Soweit so gut. Unser Geist hat also starke Morgen- und Gesterntendenzen, die unserem Wohlbefinden deutich im Wege stehen… aber wie können wir diesen Tendenzen nun entgegenwirken?

Insbesondere unser Glück verschieben wir gerne in die Zukunft. Zuerst muss noch dies und jenes geschehen oder erreicht werden. 

Versuche dich bitte einmal an deine glücklichsten Momente zu erinnern: Stehen sie wirklich mit der Erreichung irgendwelcher Ziele in Verbindung?

Das Glück können wir meiner Ansicht nach ausschließlich in diesem Moment finden und schaffen wir es möglichst viele glückliche Momente aneinander zu reihen, so führen wir ein glückliches Leben. 

Je mehr wir also lernen in Momenten zu versinken, bewusst die kleinen Wunder des Alltags wahrzunehmen und sie zu feiern, je mehr wir im Hier und Jetzt ankommen und es genießen, desto glücklicher werden wir. 

„Meine Erfahrung ist das, worauf ich bewusst meine Aufmerksamkeit richte“. (William James)

Gegenwärtig zu leben beginnt mit unserer Aufmerksamkeit. Lernen wir unsere Aufmerksamkeit zu kontrollieren, unser Bewusstsein zu steuern, so erlangen wir automatisch auch die Kontrolle über die Qualität unserer Erfahrungen. 

Also 1. Lerne Deine Aufmerksamkeit zu steuern.

Kinder sind in der Lage sich voll und ganz auf das einzulassen, was sie gerade tun. Es gilt genau diese Zentriertheit im gegenwärtigen Moment zu erlernen und zwar durch Übung. Übernimm die Kontrolle über dein Bewusstsein, in dem du es immer wieder bewusst auf das lenkst, was du gerade in diesem Moment tust. Auch wenn deine Gedanken einmal abschweifen, unterbreche sie und steuere sie dann immer und immer wieder in das Hier und Jetzt zurück. Es ist ein Lernprozess, der dich mehr und mehr mit deiner Aufmerksamkeit in der Gegenwart ankommen lässt.

Was uns bei diesem Prozess ebenfalls hilft ist 2. Achtsamkeit für zwischendurch

Nimm dir hierfür ein paar Minuten Zeit, in denen du dich auf deinen Atem konzentrierst. Lasse die Gefühle oder Gedanken, die in dir auftauchen einfach zu, ohne sie zu bewerten und kehre immer wieder mit deiner Aufmerksamkeit zu deinem Atem zurück. 

Diese oder ähnliche Achtsamkeitsübungen helfen uns dabei Stress abzubauen, achtsamer zu werden und unserem Inneren Raum zu geben. 

Die Glücksforschung hat außerdem herausgefunden, dass glückliche Menschen neuartige Erfahrungen aufsuchen und bis an ihr Lebensende Lernen. Für uns können wir also daraus ableiten:

3. Probier Neues aus! Das einzig Beständige im Leben ist der Wandel und es gibt nichts glücksblockierenderes, als Stagnation – im Alltag festzustecken. Befrei dich aus deinem Trott – Bleib interessiert, such dir ein neues Hobby, lerne eine neue Sprache oder tu, was auch immer dich aus deiner gemütlichen Komfortzone holt – das Leben findet nämlich außerhalb von ihr statt. Also nimm dir ab jetzt vor jede Woche oder von mir aus auch jeden Monat etwas zum 1. Mal zu machen. 

Unser Trott hält uns übrigens auch davon ab, die kleinen Wunder im Alltag zu genießen. Die ersten Sonnenstrahlen auf unserer Haut, der Geruch von frisch gebackenen Brötchen, das Prasseln der warmen Dusche oder das Herbstlaub, das vom Wind belebt durch die Luft tanzt. Unsere Welt ist voller kleiner Wunder, die jederzeit bereit sind, von uns entdeckt und gefeiert zu werden – wir müssen es nur zulassen.

Also 4. Genieße das Alltägliche. Nimm dir jeden Tag vor ein oder zwei alltägliche Erfahrungen, wie die morgendliche Dusche oder deine erste Tasse Kaffee, die du normalerweise in aller Eile verrichtest, bewusst zu genießen. Achte vor allem auf die sinnlichen Eindrücke; Was fühlst du? Was riechst du? Was schmeckst du? Falls dir die Zeit dafür bleibt, kannst du deine Erfahrung notieren. 

In Experimenten eprobt hebt diese Methode sogar das Glücksniveau von depressiven Patienten.

Zu guter Letzt empfehle ich dir noch Folgendes: 5. Erstelle dein persönliches Glücksrezept.

Mein bester Freund, mit dem ich seit meiner Geburt befreundet bin, hat mir in all den Jahren nur einen einzigen Ratschlag gegeben und der lautet wie folgt: 

„Tu, was sich gut anfühlt und davon so viel wie eben möglich!“

Wir alle tragen unseren persönlichen Glückskompass bei uns: unsere Gefühle. Sie zeigen uns nämlich ziemlich genau, was sich für uns gut anfühlt und was eben nicht. Leider verlernen wir mit den Jahren unserem Gefühl zu vertrauen und ihm entsprechend Raum zu geben.

Richte also deine Aufmerksamkeit in der nächsten Zeit vermehrt auf deine Gefühle und wie sie sich den Tag über je nach Aktivitäten und Kontakten entwickeln. Welche Menschen, welche Handlungen tuen dir gut? Vielleicht notierst du dir deine Erkenntnisse und erschaffst damit dein persönliches Glücksrezept, auf das du jederzeit zugreifen kannst. 

Die Kunst im Hier und Jetzt zu leben ist und bleibt eine Herausforderung für jeden von uns. Man könnte sagen, sie ist ein Achtsamkeits-Muskel, den wir mehr und mehr trainieren müssen. Zu hohe Erwartungen sind dabei also hinderlich. Begib dich auf den Weg, freu dich über jeden kleinen Schritt zu mehr Achtsamkeit. Denn jeder einzelne von ihnen ist ein Gewinn, findest du nicht? Immerhin ist jeder Moment schon gleich für immer vergangen…