… und eine Strategie, um diese zu meistern

Das Ende der Elternzeitblase

Die Elternzeit ist vorüber und du bist zurück in deinem Job. Aufregend! Die Kollegen wiedersehen, spannende Projekte betreuen, dein Können unter Beweis stellen und endlich wieder regelmäßig Geld auf dem Konto haben.“

Doch bei aller Freude machst du dir vielleicht auch Gedanken, wie das dann alles klappen wird:

  • >> Wird es uns gelingen, dass wir morgens alle pünktlich das Haus verlassen?
  • >> Wird sich mein kleiner Schatz wohl fühlen in der Betreuung?
  • >> Werde ich meine Arbeit in dem gewählten Arbeitszeitmodell wirklich schaffen?

Aber du fühlst dich gut vorbereitet. Du planst, du machst Deine To-Do-Listen. Du stimmst Termine ab: Für die Eingewöhnung, mit dem Arbeitgeber, mit den Kollegen usw. Perfektes Micromanagement des Privat- und Berufslebens. Dann muss es doch rund laufen.

Zuverlässige, liebevolle Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle und gutes Zeitmanagement – die meisten glauben, darauf kommt es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Diese Aspekte bestimmen die gesellschaftliche Debatte, hierauf konzentriert sich die (Familien-)Politik.

Und so glauben viele Mamas unerschütterlich daran, dass mit den richtigen Rahmenbedingungen und der perfekten Planung schon alles klappen wird. Dann ist es nach der Elternzeit ein bisschen so wie vorher. Plus Kind.

Die wahren Herausforderungen sind nicht Kinderbetreuung und Zeitmanagement

Doch dann landest du in der Realität und stellst fest, dass es ganz andere Herausforderungen sind, mit denen Du als Working Mom zu kämpfen hast. Deine Do-Listen hast Du nämlich vorbildlich angearbeitet. Die Eingewöhnung lief super, die Kollegen und Vorgesetzen reagieren bei plötzlicher Kinderkrankheit verständnisvoll, Meetings passieren fast nur noch am Vormittag. Alles passt. 

Wenn nur dieses komische Gefühl nicht wäre. Und Du ahnst: Echte Vereinbarkeit ist mehr als Zeitmanagement, flexibles Arbeitszeitmodell und gute Kinderbetreuung. 

Und tatsächlich – das sehe ich als Coach bei meinen Klientinnen und kenne es auch von mir selbst – die wirklichen Herausforderungen sind nicht die, denen wir mit guter Vorbereitung bereits im Vorfeld entgegengetreten sind. Die echten Challenges, das, was uns wirklich fordert und auch überfordert, sind ganz andere Baustellen. Die Stolpersteine liegen tief in uns selbst und weniger in den äußeren Rahmenbedingungen. Und so findest du dich plötzlich hilf- und ratlos im Vereinbarkeits-Hamsterrad wieder, dabei hattest du doch so schön alles geplant und vorbereitet, um genau dies zu vermeiden.

Die Top 3 der echten Challenges für Working Moms

Hier die aus meiner Erfahrung Top 3 der echten Herausforderungen für berufstätige Mütter:

1. Dich plagen Selbstzweifel

Du haderst mit dir, denn du hast doch alles so gut vorbereitet. Die Kita hast du sorgfältig ausgesucht, dein Arbeitszeitmodell gut überlegt. Du hast im Terminkalender Zeitfenster für Yoga und Joggen reserviert und alle 14 Tage habt ihr eine Auszeit als Paar. Und doch quälen dich negative Gefühle, du bist ständig müde, zum Yoga hast du keine Lust und die Paarzeit verbringt ihr mit streiten. Und dann kommen diese Gedanken: Die anderen können es doch auch. Warum klappt es überall, nur bei mir nicht? Ich bin einfach nicht gut genug!

2. Du hast ein schlechtes Gewissen

Du kämpfst ständig mit Gewissensbissen, weil Du das Gefühl hast, dass entweder dein Kind, dein Job oder dein Partner irgendwie zu kurz kommen. Du ertappst dich dabei, auf dem Spielplatz in Gedanken beim nächsten beruflichen Projekt zu sein, im Kundenmeeting organisierst du innerlich schon den anstehenden Kindergeburtstag, und beim romantischen Abendessen mit dem Partner schreibst du nebenbei die Einkaufsliste. Nie bist du ganz da und das sorgt für Gefühle von Zerrissenheit und Überforderung.

3. Dein Job erscheint Dir so sinnlos

Dieser Punkt ist für viele die größte Überraschung. Du kehrst nach der Elternzeit zurück in den alten Job und plötzlich macht der irgendwie keinen Spaß mehr. In Meetings fällt dir auf einmal auf, wie langatmig und umständlich alles läuft. Das Meeting dauert ewig und dabei musst du schon bald los, um dein Kind abzuholen. Überhaupt: Wie kann man sich über solch belanglose Dinge echauffieren? Dir fehlt das Verständnis und du siehst plötzlich alles mit anderen Augen. Warum? Weil sich mit der Geburt deines Kindes auch dein Wertekompass verändert hat. Du bist anspruchsvoller in deinem Job. Du willst etwas Sinnvolles tun und suchst im Job nicht mehr nur nach Selbstverwirklichung und Anerkennung, sondern auch nach einem Gefühl von Erfüllung und gesellschaftlichem Wert!

So funktioniert Vereinbarkeit wirklich

Und diese Punkte lassen sich eben nicht einfach mit guter Planung und einer wohlüberlegten To-Do-Liste abarbeiten. Schön wär’s:

To Do: „Schlechtes Gewissen ablegen“ – abgehakt, erledigt!

Aber es gibt eine Strategie, um auch mit diesen unerwarteten Herausforderungen souverän umzugehen. Hier braucht es Persönlichkeitsentwicklung und inneres Wachstum. Die Bereitschaft, sich einzulassen auf sich selbst und die ureigenen Bedürfnisse.  Das klingt sperrig, aber wir können auch dies gern in eine To-Do-Liste umwandeln:

1. Wahrnehmen, was ist! 

Schaue genau hin: Wie geht es dir? Wie fühlst du dich in den verschiedenen Situationen im Alltag? Welche Gedanken treiben dich um? Was passiert in dir? Wo fühlst du dich wohl? Wo eher nicht? Warum ist das so?

Hier braucht es die kompromisslose Bereitschaft, sich selbst besser zu kennen und zu verstehen: „Ich dache, ich sei ganz cool und entspannt, wenn ich morgens mein Kind abgebe. Immerhin ist die Krippe großartig und die Erzieherin so liebevoll. Aber irgendwie schnürt es mir doch jeden morgen wieder die Kehle zu. Dann gehe ich mit einem schlechten Gefühl im Bauch zur Arbeit.“ 

Es geht hier jetzt nicht darum, dieses unangenehme Gefühl weg zu machen, sondern erst einmal nur darum, wahrzunehmen, dass es da ist.

2. Das, was ist, verstehen!

Nicht loswerden wollen, sondern verstehen ist jetzt die Devise. Warum geht es dir so? Was brauchst du? Was fehlt dir? 

An unserem Beispiel könnten die Antworten so aussehen:„Ich gebe mein Kind ungern in die Arme der Erzieherin ab. Er kuschelt sich dann so niedlich an sie und ich bin fast ein bisschen eifersüchtig. Und ich fühle mich wehmütig, weil ich ihn jetzt ein paar Stunden nicht sehen werde. Es tut auch weh, zu wissen, dass er mich gar nicht vermissen wird. Gleichzeit bin ich natürlich dankbar, dass er sich so wohl fühlt. Und ich freue mich auch auf die paar Stunden ohne ihn. Das macht mir aber auch schon wieder ein schlechtes Gewissen.“

So könnte eine ehrliche Analyse der eigenen Gefühle aussehen. Wow, ganz schön viel los mit den Emotionen. Kein Wunder, dass sich da kein echtes Wohlfühlen einstellt.

3. Annehmen und gestalten.

An diesem Punkt frage ich meine Klientinnen gerne: „Was würdest du dir nun selbst raten, wenn du deine eigene beste Freundin wärest?“ Es geht nun nämlich darum, dieses innere Gefühlschaos verständnisvoll anzunehmen. 

„Ist doch total, nachvollziehbar, dass es mir so geht. Und vielen anderen geht es morgens wahrscheinlich genauso!“

Vielleicht magst du dir dies selbst laut sagen. Oder du schreibst es dir auf. Damit sind die Gefühle nicht verschwunden, aber du wirst feststellen: Wenn du dir selbst verständnis- und liebevoll begegnest, kannst du diese Emotionen viel besser aushalten. 

Und du kannst sie als Basis nehmen, um eine Situation anders zu gestalten. Wenn dir das Abgeben deines Kindes schwerfällt, kann man die Situation vielleicht anders lösen. Vielleicht fällt es ja dem Papa viel leichter? Oder kannst du die Erzieherin bitten, erst dann ausgiebig mit deinem Kind zu schmusen, wenn Du schon aus der Tür bist, damit dir dein Herz nicht so bluten muss? 

Oder nehmen wir an, du stellst fest, dass es dich nervt und auch überfordert, immer allein für den Familieneinkauf verantwortlich zu sein. Dann ist das akzeptieren dieser Gefühle ein wichtiger erster Schritt. Aber es gibt auch hier eventuell kreative Lösungen. Vielleicht schreiben du und dein Mann die Einkaufsliste in Zukunft einfach gemeinsam – abends bei Kerzenlicht und einem Glas Wein? Das ist in wenigen Minuten erledigt und dann gilt eure volle Aufmerksamkeit euch beiden.

Diese Art neuer Lösungen brauchen erfahrungsgemäß ein wenig Kreativität, aber es lohnt sich, die beruflichen, familiären und persönlichen Rahmenbedingungen nicht nur nach den offensichtlichen Faktoren wie Betreuungszeit oder Arbeitszeitmodell auszurichten, sondern auch die inneren Aspekte zu betrachten. Dann kann sich tatsächlich echtes Wohlfühlen einstellen und dann bist du an dem Punkt, an dem Vereinbarkeit wirklich gelingt!


Christines Video-Input genau zu diesem Thema gibt es hier in der geschlossenen Facebookgruppe für berufstätige Eltern. (<– klick) Werde Mitglied und schaue dir ihren Vortrag an.