Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die Bedürfnisse der Kinder

Selten habe ich in einem Seminar so viel verlegenes Lachen ausgelöst wie mit folgendem Satz: „Meine Bedürfnisse als Mama sind mindestens genauso wichtig wie die Bedürfnisse der Kinder. Wenn nicht sogar noch wichtiger!“.

Die Teilnehmerinnen in dem Elternseminar, in dem ich dieses Statement zum Besten gab, haben mich angeschaut, als hätte ich soeben den Witz des Jahrhunderts gemacht. Dabei meine ich das völlig ernst! Ich halte es für enorm wichtig, dass gerade auch viel geforderte berufstätige Eltern sich nicht nur in den Dienst ihrer Kinder stellen, sondern sich selbstverantwortlich und fürsorglich um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern.

Bedürfnisorientierung schaut oft nur auf die Kinder, die Eltern hingegen vernachlässigen sich selbst

Wenn wir aber in Familien von Bedürfnissen reden, dann meinen wir oft die Bedürfnisse der Kinder. Nicht umsonst ist „Bedürfnisorientierte Erziehung“ ein wahres Modewort. Und was für Bedürfnisse haben die Kleinen nicht alles: Die Kinder brauchen Bewegung, gesunde Ernährung, Nähe, Liebe, Verständnis, zugewandte Eltern, Geduld, frische Luft! Und die Eltern verstehen sich als Bedürfniserfüller vom Dienst und verlieren dabei sich selbst aus dem Blick.

Und so erkennt man die bedürfnisorientiert erziehenden Eltern auf dem Spielplatz leicht an den Augenringen und den ungewaschenen Haaren.

Aber sie haben natürlich immer mundgerecht geschnittene Apfelschnitze und glutenfreie Dinkelsnacks in der Wickeltasche.

Ok, klar, bevor ich hier jetzt einen Shitstorm lostrete: Ja, das ist absichtlich sehr undifferenziert und überspitzt formuliert. Mein Punkt wird hoffentlich trotzdem deutlich: Es gibt im Leben mit Kindern keinen Preis für die größte Selbstaufgabe. Das Ignorieren der eigenen Bedürfnisse macht uns bloß unglücklich und – noch ein sehr wichtiger Punkt – entgegen der langläufigen Meinung tun wir damit unseren Kindern auch keinen Gefallen. Was lernen die Kleinen denn von uns, wenn wir auf der einen Seite wie die Satteliten um sie kreisen und auf der anderen Seite unsere eigenen Grenzen nicht wahren und unsere eigenen Bedürfnisse mit Füßen treten? Wie es so schön heißt: „Man kann sich bei der Erziehung noch so viel Mühe geben, am Ende machen die Kinder einem doch alles nach!“

Seien wir also ein gutes Vorbild und praktizieren wir aktive Selbstfürsorge. Grenzen wir uns ab. Achten wir auf uns. Nehmen wir uns, was wir brauchen, um die Person sein zu können, die wir sein wollen.

Alarmzeichen bei mangelnder Selbstfürsorge

Klar, das gelingt mir selbst auch nicht immer. Manchmal ist der Alltag so fordernd und die Kinder so bedürftig, dass das, was ich brauche, um entspannt, leistungsfähig und glücklich zu sein, hinten runter fällt. Und wenn das passiert, dann merke ich das in der Regel inzwischen relativ schnell. Und der Rest der Familie auch, denn ich

  • – wache dann morgens schon mit schlechter Laune auf
  • – gehe grundlos zickig und überkritisch mit meinem Mann um
  • – bin den Kindern gegenüber wegen Kleinigkeiten ungedultig
  • – fühle mich schnell überfordert, gleichzeitig aber auch völlig unmotiviert

Das sind die Alarmsignale, die mir sagen: Pass jetzt besser auf Dich auf! Sorge für Dich!

Und wie gehe ich das jetzt an? Nun, vielleicht könnte ich jetzt meine eigene Mutter anrufen und sagen: „Mama, du hast mich damals ja nicht unbedingt bedürfnisorientiert erzogen. Aber jetzt wäre eine wunderbare Gelegenheit, das nachzuholen. Ich verspüre gerade ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Ruhe und gleichzeitig auch nach intellektueller Herausforderung. Was gedenkst Du zu unternehmen?“ Ich fürchte aber, dieses Unterfangen ist nicht unbedingt von Erfolg gekrönt.

Jeder ist bei der Selbstfürsorge für sich selbst voll verantwortlich

Im Gegenteil. Das klingt jetzt sehr nach Kalenderspruch, aber tatsächlich wird niemand für uns in die Bresche springen und die Verantwortung für unsere eigenen Bedürfnisse übernehmen. Das müssen wir schon selber tun. Selbstfürsorge ist das Stichwort, sprich, wir müssen selbst gut für uns sorgen.

Setzen wir uns kurz ins Flugzeug und lauschen der berühmten Ansage: „Im unwahrscheinlichen Fall eines Druckabfalls in der Kabine fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Abdeckung über Ihnen herab. Ziehen Sie eine der Masken zu sich heran und stülpen Sie diese über Mund und Nase. Danach helfen Sie Mitreisenden und Kindern!“ Gemerkt? Genau! ERST sich selbst versorgen und DANN anderen helfen.

Selbstfürsorge kommt VOR dem Versorgen der anderen. Was uns in einer Notfallsituation im Flieger als selbstverständlich vorkommt, geht uns dennoch im Alltag oft richtig ab. Dabei ist es aus den verschiedensten Gründen so sinnvoll und logisch als Mutter und als Eltern, die eigenen Bedürfnisse in der familiären Bedürfnishierarchie ganz weit oben anzusiedeln. Die positiven Effekte sind vielfältig:

  1. Es geht mir besser. Die Laune ist gut. Das färbt auf die anderen Familienmitglieder ab. Happy Mom – happy family!
  2. Mein Geduldsfaden ist länger und es fällt mir leichter, auch in herausfordernden Situationen gelassen mit den Kindern umzugehen.
  3. Ich bin freundlicher und weniger zickig zu meinem Partner. Liegt sicher auch am Geduldsfaden!
  4. Ich bin meinen Kindern ein Vorbild. Sie können sich abschauen, wie ich meine eigenen Grenzen wahre, gut auf mich selbst achte und meine Bedürfnisse ernst nehme.

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